Notizen aus dem Mittelmaß

12. August, 2009

Urlaubslektüre

Gespeichert unter: Nicht kategorisiert — mediokra @ 22:10
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Wenn jemand seine Mitmenschen nach Tipps für die Urlaubslektüre fragt, versieht er das selbst schon mit dem Attribut „leicht“ (also, was Leichtes für den Urlaub) oder die Tipps, die er bekommt, sind auf der Schiene Cecilia Ahern, Daniel Glattauer, Dora Heldt usw.
Warum ist das so? Ich lasse doch im Urlaub mein Gehirn nicht zu Hause. Ich bin doch immer noch der gleiche Mensch, nur vielleicht mit Sonnenbrille, Sonnenhut und Badeanzug. Wäre es nicht viel logischer, dass man im rauen Alltag, wenn man gestresst ist von Chefs, Kunden, Kollegen, Kindern eher zu leichter Lektüre greift, die einem die Realitätsflucht ermöglicht und nicht viel Hirnschmalz abverlangt? Und den anspruchsvollen Autor liest man dann ganz entspannt mit Wellengeplätscher als Hintergrundmusik im Urlaub.
Oder kann man, wenn man entspannt, nicht mehr nachdenken, sich nicht über schöne Bilder und gut gesetzte Worte und Sätze zu freuen, keinen Stimmungen nachzuspüren, sich nicht in komplexe Charaktere hineinversetzen, keinem raffinierten Plot folgen und nicht über die Motive und Beweggründe der Handelnden nachdenken? Heißt Entspannung automatisch sich mit Klischees berieseln zu lassen? Da reisen wir in ferne Länder, um von der Welt etwas anderes zu sehen und Neues kennenzulernen. Aber beim Lesen ist uns das zu anstrengend?
Bei mir gibt es keinen Unterschied zwischen Alltags- und Urlaubslektüre – bei Flugreisen entscheidet höchstens das Gewicht.

Wenn ich komplett entspannen will, dann lege ich das Buch aus der Hand und schaue einfach aufs Meer oder die Landschaft; rieche, höre und schmecke, was vielleicht anders ist als daheim.

2. August, 2009

Schnittmuster

Gespeichert unter: Nicht kategorisiert — mediokra @ 18:43
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Kürzlich war Aenne Burdas 100. Geburtstag. Dieser Artikel in der SZ erinnerte mich an eine Kindheit und Jugend zwischen Schnittmustern, Stoffbahnen, Garnrollen und ratternden Nähmaschinen. Nicht dass ich selbst nähen könnte. Von den hausfraulichen Tugenden nähen, backen und kochen habe ich nicht viel abbekommen. Dieses Gen hat überwiegend meine Schwester geerbt, von meiner Mutter und die wiederum von ihrer Mutter.

So kam es, dass wir Schwestern inklusive unserer Puppen meist die gleichen Kleider trugen. (Leider ist das Foto von meiner Schwester und mir schwarz-weiß, aber ich schwöre: Das ist der selbe Stoff wie das Puppenkleid.)

Heute, in Zeiten von H&M und anderen Billigketten ist das vielleicht undenkbar; da wird das Selbstnähen zum teuren Hobby. Aber damals machte meine Mutter das nicht zum Vergnügen, sondern um Geld zu sparen.
Ich erinnere mich an die vielen Anproben, in denen man gaaanz vorsichtig mit Stecknadeln zusammengesteckte Teile überziehen musste und man sich trotz aller Vorsicht an einer Nadel piekte. „Steh still!“ und „Dreh dich mal um.“ Zum Abstecken des Rocksaums mussten wir auf den Holzhocker aus dem Bad steigen und es gab dieses witzige Gerät, das Talkumpuder aus einer ganz schmalen Tülle verstäubte. (Das Internet weiß alles: Rockabrunder heißt das Wunderding und das gibt’s immer noch, bei ebay sogar noch im 70er Jahre-Original.) Später wurden dann mein Hohlkreuz und der entsprechend prominente Hintern zur Herausforderung für meine Mutter, weil ich damit vom Norm-Schnittmusterbogen abwich.

Meine Schwester lernte auf der Realschule dann auch nähen. Ich als Gymnasiastin hatte mich mit abstrakter Malerei zu beschäftigen und nicht mit solch niederen Tätigkeiten wie kochen und nähen (stricken hatte ich immerhin noch gelernt, bevor wir uns der Kunst zuwandten). Obwohl fortan fast täglich die Nähmaschine bei uns zu Hause ratterte, wurde ich von dem Virus nicht erfasst. Das einzige Kleidungsstück, das ich mir je selbst nähte, war eine unförmige Pluderhose mit vielen Gummizügen (ich war schon als Teenager mit meiner Figur unglücklich und neige von jeher zu verhüllenden Kleidungsstücken.

Ich weiß gar nicht, ob heute noch jemand selbst näht. Meine Schwester hat mal kurz mit dem Gedanken gespielt, eine Schneiderinnenlehre zu machen – dieser Wunsch musste dann aber höheren Zielen weichen. Bis zur Geburt ihres Kindes hat sie sich immer noch tolle Sachen genäht; sie hat sogar eine dieser Schneiderpuppen, die heute jedoch nur noch zur Dekoration in einer Ecke des Arbeitszimmers steht. Und das Schränkchen, aus dem man mit ein paar Handgriffen die versenkbare Nähmaschine meiner Mutter holen kann, ist dermaßen mit Krusch und Kram vollgestellt, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass meine Mutter darauf noch oft näht.

Manchmal, wenn ich wieder gefrustet und ohne Tüten von einem Einkaufsbummel nach Hause komme, wünsche ich, ich könnte nähen und mir meine Garderobe frei von Modediktat und passend für meine Figur selbst anfertigen.

10. Mai, 2009

Online-Petition gegen Internetsperren

Gespeichert unter: Nicht kategorisiert — mediokra @ 14:50
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Mit aktuell 67.074 Zeichnern (Stand: 10.05.2009, 15:44 Uhr) hat die Online-Petition gegen das vom Bundesfamilienministerium initiierte Gesetz für Internetsperren innerhalb von wenigen Tagen bereits mehr als die nötigen 50.000 Unterschriften erreicht.

Mittlerweile ist das Thema auch in den „richtigen“ Medien angekommen. Bisher wurde es sehr stark in Blogs und auf Twitter diskutiert und publik gemacht, aber eine ausführlichere Berichterstattung in Zeitungen oder im TV war Fehlanzeige.
Am 8. Mai hat auch die Tagesschau darüber berichtet. Allerdings so einseitig, dass ich mir ernsthaft die Frage nach der Unabhängigkeit der ARD stelle.
Ich habe mich schon über die Formulierung „eine so genannte Online-Petition“ geärgert. Warum so genannt? Unfassbar, liebe Tagesschau-Redaktion, aber Petitionen (online und offline) sind ein Mittel der demokratischen Meinungsäußerung und Einflussnahme der Bürger. Wikipedia sagt dazu:

Die Zulässigkeit von Petitionen ist ein allgemein anerkannter Bestandteil demokratischer Grundrechte.

Aber wie wir in den letzten Monaten erfahren müssen, sind „online“ und „Grundrechte“ offensichtlich zwei Dinge, die in den Köpfen vieler nicht zusammengehen. Und natürlich ist es völlig unverständlich, dass sich innerhalb weniger Tage so viele Unterzeichner gefunden haben, obwohl die Tagesschau noch nicht darüber berichtet hatte. Ja, man konnte fast den Eindruck gewinnen, als hätten die Holzmedien und das TV vorgehabt, das Thema totzuschweigen.

Sehr viel mehr haben mich aber die Interviews u.a. mit dem Wirtschaftsminister und einem SPD-Abgeordneten geärgert. Bzw. dass keine wirklichen Gegenstimmen zu deren Meinungen im O-Ton gezeigt wurden und die guten Argumente der Gegner der Internetsperren überhaupt nicht erwähnt wurden. Da wurden nur – huschhusch – das böse Wort Zensur und Recht auf Informationsfreiheit in den Raum gestellt, ohne im Detail zu erklären, was die Gegner der Sperren damit genau meinen. Franziska Heine, Bloggerin und Initiatorin der Petition, ist rhetorisch leider nicht so bewandert, wie die interviewten Politiker. Der beste O-Ton kam (leider – die FDP ist gar nicht meins) von Frau Leutheusser-Schnarrenberger, die eine Abschaltung der Server mit KiPo forderte und sagte, dass das geplante Gesetz in die falsche Richtung gehe.

Ich kann mir gut vorstellen, dass beispielsweise meine Eltern, die keine Blogs lesen, sondern sich mit Hilfe der Zeitung und der Tagesschau informieren, mit den Informationen, die diese Medien bisher liefern, eine Sperre von KiPo-Seiten befürworten, weil sie nicht wissen, dass man die Server auch abschalten könnte, wenn sie schon bekannt sind. Und weil sie nicht wissen, dass kein Mensch nachprüfen kann, wer und was genau auf diesen Sperrlisten steht. Mit den halben Informationen, die bisher verbreitet wurden, würden sie genau wie Karl-Theodor zu Guttenberg die Unterzeichner dieser Petition noch in die Nähe von Kinderschändern rücken.

Meine ganze Verachtung gilt Politikern wie Herrn Schäuble und Frau von der Leyen, die aus der Angst und dem Unwissen der Menschen Profit für ihre politischen und paranoiden Ziele schlagen und Stein für Stein eine Mauer aus Überwachung und Unfreiheit um uns aufbauen oder zumindest das Fundament dafür legen.
Wir schreiben das Jahr 2009. Wir gedenken in diesem Jahr des Falls der Mauer vor zwanzig Jahren – und damit des Endes eines Überwachungsstaates – und der Gründung der Bundesrepublik Deutschland, eines demokratischen Staates, der sich vor sechzig Jahren eine freiheitliche Grundordnung gegeben hat. Wir sollten laut dagegen aufbegehren, dass diese Rechte unter fadenscheinigen Gründen von ängstlichen Politikern auf Stimmenfang beschnitten werden sollen und die Protestierenden verunglimpft werden.

Bei Netzpolitik gibt es einen Überblick über die Berichterstattung in den Medien.

26. April, 2009

Frauenzeitschriften oder: Ich bin zu alt für diese Sch…

Gespeichert unter: Nicht kategorisiert — mediokra @ 16:34

Schon seit Jahren lese ich keine Frauenzeitschriften mehr, also Brigitte, Cosmopolitan, Petra (gibt’s die überhaupt noch?), Freundin & Co. Altersgruppenmäßig bin ich in der Zielrichtung von Brigitte Woman, aber gibt es eigentlich jemanden, der die kauft?

Mal ganz ehrlich, wer ist eigentlich das Zielpublikum von diesen Zeitschriften mit Modestrecken, in denen ein Gürtel von einem Designer mit Fantasienamen schon weit über 100 Euro kostet, kein Schuhabsatz weniger als zehn Zentimeter aufweist, das fummeligste Blüschen 500 Euro kostet und die Frisuren alle nicht selbst föhnbar sind? Und das alles in der Brigitte. In der Cosmopolitan oder Vogue darf man das Ganze noch getrost verdoppeln.

Vor ein paar Monaten habe ich mir mal die Myself gekauft. Da war was mit Frisuren drin und irgendwie habe ich tatsächlich gedacht, ich könnte mich von einer Frauenzeitschrift inspirieren lassen, auch modetechnisch. In der Myself gibt es sogar bei den Modestrecken ab und zu mal ein Stück von H & M – ein Tuch oder so. Ansonsten aber natürlich nur Mode für dürre, große, junge, mutige und reiche Frauen, die eigentlich auch im letzten abgeschabten Fetzen noch umwerfend aussehen würden. Nix für die normal verdienende, nur 1,67 große Frau mit sehr weiblicher Figur, die nicht auf einem Laufsteg, sondern im Büro arbeitet. Mit den Frisuren das war natürlich auch nichts ohne täglichen Stylisten.

Dann war da ein Artikel drin von einem Mann (warum schreiben Männer für Frauenzeitschriften?), der seine Freundinnen gerne in angesagte Sternelokale ausführt und sich darüber beschwert, dass sie dort nur im Salat rumstochern und nie die tollen Sachen essen, für die diese Lokale so berühmt sind. Ja Mann. Wenn Du solche Tussis mitnimmst, an die sich die Zeitschrift richtest, für die Du schreibst – kein Wunder. Denen wird beim bloßen Anblick von einem Hauch von Olivenöl schon schlecht und die trinken nur Wasser oder Kräutertee. Nimm mich mit. Ich esse auch Zicklein mit Zuckerschoten, Fisch und Meeresfrüchte, und ich packe auch ein 4-Gang-Menü. Und eine Flasche Rotwein mache ich mit Dir zusammen auch platt; wenn ich gut in Form bin auch zwei, aber dann rede ich ein bisschen viel. Aber natürlich bin ich keine Frau, die sich eine Tasche in Kobaltblau mit Straußenlederoptik für 500 Euro leisten kann (und will – sieht scheußlich aus das Teil) oder auf den im gleichen Heft vorgestellten Schuhen von Bruno Frisoni (heißt der wirklich so?) oder Nicholas Kirkwood laufen kann. Meine Konfektionsgröße liegt natürlich deutlich über 38, und auch wenn ich alle Cremeproben in diesem Heft auf einmal in mein Dekolleté schmieren würde, würde man ihm die 40+ nicht zimperlich gelebten Jahre immer noch ansehen. Aber da hängt man als Frau von Welt vermutlich 2 Pfund Perlen drüber.

Lange Rede, kurzer Sinn: Mit den Frauenzeitschriften und mir, das wird in diesem Leben nichts mehr.

23. April, 2009

Bücher

Gespeichert unter: Nicht kategorisiert — mediokra @ 11:34
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Heute ist Welttag des Buches. Wahrscheinlich ist jeden Tag Welttag von irgendwas, was die Leute kaufen sollen. Am 23. April eben Bücher, weil – Sie haben’s sicher schon fix ergoogelt – es der Todestag von William Shakespeare und Miguel Cervantes ist.
Gegen Valentinstag (also Welttag der Parfümerien) und Muttertag (Welttag der Blumen) bin ich ja allergisch, aber Welttag des Buches, damit kann ich leben. Obwohl ich heute voraussichtlich kein Buch kaufen werde, tut mir leid, liebe Buchhändler, Verleger, Autoren. Aber ich habe so oft Tag des Buches, Sie werden es mir nachsehen. Vermutlich bin ich auch gar nicht die Zielgruppe dieses Tages, weil ich unaufgefordert, viel und sehr gerne lese. Ich glaube, an diesem Tag versucht man mit Events (ohne die geht ja gar nix mehr), Kinder ans Buch, vielleicht sogar an die Literatur, heranzuführen.

Für alle, die Bestsellerlisten misstrauen, hätte ich eine kleine Leseempfehlung:
Das bereits kürzlich erwähnte Buch “Tschador” von Murathan Mungan, erschienen im wunderschönen Blumenbar-Verlag, möchte ich Ihnen ans Herz legen.
Kurze Inhaltsangabe:
Ein Mann kommt aus dem Exil in sein nicht näher benanntes orientalisches Heimatland zurück, in dem bis vor kurzem Krieg war. Er will seine Familie wiederfinden – vergeblich. Er irrt durch das Land, das sich unter dem neuen Regime verändert hat. Angst beherrscht die Menschen. Besonders bedrückt ihn der Anblick der Frauen, die alle in Burkas (nicht wie der Titel vermuten lässt in Tschadors) verhüllt sein müssen.

Die Sprache ist wunderschön poetisch und hat mich ganz in ihren Bann gezogen. Die Schilderungen sind eindringlich, ohne dass irgendwo ein moralisierender Finger erhoben wird. Dass man ein so erschütterndes Thema in so schöner Sprache, mit so schönen Bildern erzählen kann, ohne platt eine Message rüberzubringen, hat mich fasziniert. Ich fand das Buch absolut lesenswert.

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