In letzter Zeit – also geschätzte vier bis sechs Monate – habe ich das Bloglesen ganz schön vernachlässigt.
Nun habe ich seit langem mal wieder bei der Kaltmamsell vorbeigeschaut und siehe da, es gibt ein – für mich – neues Blogprojekt, das meiner großen Liebe, dem Lesen, sehr entgegenkommt: Common Reader.
Ich finde zwar die bei Virginia Woolf entlehnte Bezeichnung common reader für einige der Beteiligten, nun ja, Understatement, aber platte Buchbesprechungen kann ich auch auf Amazon lesen.
Jetzt werde ich wohl meine Blogroll erweitern und freue mich auf kluge Kommentare über Bücher, die nicht auf den Bestsellerlisten auftauchen oder bereits von allen Büchersendungen im Radio oder Fernsehen besprochen wurden.
Tolles Projekt.
26. Januar, 2010
Blog statt Twitter
11. Januar, 2010
Liebe S-Bahn München,
kann es sein, dass Sie Ihr Personal, Ihre Züge und Ihr Netz eigentlich für einen karibischen Inselstaat, sagen wir mal: Jamaika, ausgebildet haben? Wie sonst ist es zu erklären, dass ein Tag Schnee – eine für diese Breiten in dieser Jahreszeit durchaus übliche Erscheinung – mich verdammte dreißig Minuten auf eine S-Bahn warten lässt? Noch dazu an diesem Bahnhof (der diesen Namen überhaupt nicht verdient) Leuchtenbergring – ein Hohn für alle Nutzer der S-Bahn, das Gegenteil von Barrierfreiheit, aber was soll’s, da steigen ja nur die dummen Dörfler um, die zum Flughafen wollen oder von dort kommen, die können ihre Koffer auch die Treppen hoch- und runterschleppen, und Behinderte sind nicht vorgesehen – egal, wo war ich? Ach ja: Jamaika.
Also, hier schneit es mal einen Tag und schon fallen Züge aus, andere kommen im Schneckentempo in den “Bahnhof” geschlichen mit der Aufschrift “Nicht einsteigen”. Eine Durchsage, dass der erwartete Zug nicht kommen wird – Fehlanzeige. Dafür steht zehn Minuten lang in der Anzeige, dass er in drei Minuten kommen wird. Das ist bestimmt auch eher typisch für Jamaika als für Deutschland.
Ich soll mich nicht so aufregen und nicht so pedantisch – und damit typisch deutsch – sein! Ich wäre sicher auch jamaikanisch entspannt, wenn es hier 24 Grad warm wäre, die Leute um mich herum freundliche Gesichter machten, lachten und wir zur Entspannung einen kleinen Joint rauchen könnten (Klischee komm raus). Aber hier haben alle nur genauso muffig geguckt wie ich, keiner hat gelacht und rauchen, rauchen darf man auf Bahnsteigen ja nicht mal legalen Tabak! Nur eins hatten wir Wartenden mit den Jamaikanern gemein: Wir hatten auch fast alle lustige Mützen auf.
Und jetzt: Musik!
10. Januar, 2010
Ich lebe im Außer-Land
Nein, nicht im Ausland – naja, zumindest nicht streng geografisch und politisch genommen. Es heißt wirklich Außer-Land, man könnte es auch Nur-Land nennen.
Wo das liegt? Meistens südlich der Donau, manchmal auch am Alpenrand oder in der Nähe der Alpen. Ab und zu auch einfach nur im Südosten der Republik.
Da steht ein immer gut gelaunter Wettermensch im Fernsehen, der uns, die in Oberbayern lebenden Bürger, mit einer schönen Regelmäßigkeit ins Außer-Land verpflanzt. Dann nämlich, wenn sich überall höhere Temperaturen durchsetzen, außer im Südosten, wo man besser noch den warmen Wintermantel anbehält. Oder im Laufe des Tages kommt überall die Sonne zum Vorschein, außer am Alpenrand, wo noch mit Unwettern, Hagel und orkanartigen Böen zu rechnen ist. In ganz Deutschland erfreut man sich an schönstem Sommerwetter, nur ganz im Süden bekommen die Bayern das Wetter, das sie verdienen.
Ohnehin werden die in Bayern lebenden Menschen, seien es nun Eingeborene oder Zugereiste, vom Rest der Republik geschmäht; muss uns jetzt auch noch der allabendliche Wetterbericht in den Rücken fallen und auf unsere – eingebildete oder echte – Besonderheit durch häufiges Verwenden von „außer“ und „nur“ mit Nachdruck hinweisen?
Wenn allerdings auf der Wetterkarte überall Regensymbole eingezeichnet sind und nur bei uns im Süden lacht die Sonne und die Temperaturen klettern in italienische Höhen – dann bin ich glücklich Außer-Länderin zu sein.
PS: Dieser Text ist schon etwas älter, fast fünf Jahre um genau zu sein, aber er hat nichts an Aktualität verloren. Im Zusammenhang mit der derzeit in Deutschland wütenden Daisy, von der wir bisher (zum Glück) verschont blieben, zeigt sich diese Spaltung in Deutschland und „Außer-Land“ wieder einmal.
12. August, 2009
Urlaubslektüre
Wenn jemand seine Mitmenschen nach Tipps für die Urlaubslektüre fragt, versieht er das selbst schon mit dem Attribut “leicht” (also, was Leichtes für den Urlaub) oder die Tipps, die er bekommt, sind auf der Schiene Cecilia Ahern, Daniel Glattauer, Dora Heldt usw.
Warum ist das so? Ich lasse doch im Urlaub mein Gehirn nicht zu Hause. Ich bin doch immer noch der gleiche Mensch, nur vielleicht mit Sonnenbrille, Sonnenhut und Badeanzug. Wäre es nicht viel logischer, dass man im rauen Alltag, wenn man gestresst ist von Chefs, Kunden, Kollegen, Kindern eher zu leichter Lektüre greift, die einem die Realitätsflucht ermöglicht und nicht viel Hirnschmalz abverlangt? Und den anspruchsvollen Autor liest man dann ganz entspannt mit Wellengeplätscher als Hintergrundmusik im Urlaub.
Oder kann man, wenn man entspannt, nicht mehr nachdenken, sich nicht über schöne Bilder und gut gesetzte Worte und Sätze zu freuen, keinen Stimmungen nachzuspüren, sich nicht in komplexe Charaktere hineinversetzen, keinem raffinierten Plot folgen und nicht über die Motive und Beweggründe der Handelnden nachdenken? Heißt Entspannung automatisch sich mit Klischees berieseln zu lassen? Da reisen wir in ferne Länder, um von der Welt etwas anderes zu sehen und Neues kennenzulernen. Aber beim Lesen ist uns das zu anstrengend?
Bei mir gibt es keinen Unterschied zwischen Alltags- und Urlaubslektüre – bei Flugreisen entscheidet höchstens das Gewicht.
Wenn ich komplett entspannen will, dann lege ich das Buch aus der Hand und schaue einfach aufs Meer oder die Landschaft; rieche, höre und schmecke, was vielleicht anders ist als daheim.
2. August, 2009
Schnittmuster
Kürzlich war Aenne Burdas 100. Geburtstag. Dieser Artikel in der SZ erinnerte mich an eine Kindheit und Jugend zwischen Schnittmustern, Stoffbahnen, Garnrollen und ratternden Nähmaschinen. Nicht dass ich selbst nähen könnte. Von den hausfraulichen Tugenden nähen, backen und kochen habe ich nicht viel abbekommen. Dieses Gen hat überwiegend meine Schwester geerbt, von meiner Mutter und die wiederum von ihrer Mutter.
So kam es, dass wir Schwestern inklusive unserer Puppen meist die gleichen Kleider trugen. (Leider ist das Foto von meiner Schwester und mir schwarz-weiß, aber ich schwöre: Das ist der selbe Stoff wie das Puppenkleid.)
Heute, in Zeiten von H&M und anderen Billigketten ist das vielleicht undenkbar; da wird das Selbstnähen zum teuren Hobby. Aber damals machte meine Mutter das nicht zum Vergnügen, sondern um Geld zu sparen.
Ich erinnere mich an die vielen Anproben, in denen man gaaanz vorsichtig mit Stecknadeln zusammengesteckte Teile überziehen musste und man sich trotz aller Vorsicht an einer Nadel piekte. „Steh still!“ und „Dreh dich mal um.“ Zum Abstecken des Rocksaums mussten wir auf den Holzhocker aus dem Bad steigen und es gab dieses witzige Gerät, das Talkumpuder aus einer ganz schmalen Tülle verstäubte. (Das Internet weiß alles: Rockabrunder heißt das Wunderding und das gibt’s immer noch, bei ebay sogar noch im 70er Jahre-Original.) Später wurden dann mein Hohlkreuz und der entsprechend prominente Hintern zur Herausforderung für meine Mutter, weil ich damit vom Norm-Schnittmusterbogen abwich.
Meine Schwester lernte auf der Realschule dann auch nähen. Ich als Gymnasiastin hatte mich mit abstrakter Malerei zu beschäftigen und nicht mit solch niederen Tätigkeiten wie kochen und nähen (stricken hatte ich immerhin noch gelernt, bevor wir uns der Kunst zuwandten). Obwohl fortan fast täglich die Nähmaschine bei uns zu Hause ratterte, wurde ich von dem Virus nicht erfasst. Das einzige Kleidungsstück, das ich mir je selbst nähte, war eine unförmige Pluderhose mit vielen Gummizügen (ich war schon als Teenager mit meiner Figur unglücklich und neige von jeher zu verhüllenden Kleidungsstücken.
Ich weiß gar nicht, ob heute noch jemand selbst näht. Meine Schwester hat mal kurz mit dem Gedanken gespielt, eine Schneiderinnenlehre zu machen – dieser Wunsch musste dann aber höheren Zielen weichen. Bis zur Geburt ihres Kindes hat sie sich immer noch tolle Sachen genäht; sie hat sogar eine dieser Schneiderpuppen, die heute jedoch nur noch zur Dekoration in einer Ecke des Arbeitszimmers steht. Und das Schränkchen, aus dem man mit ein paar Handgriffen die versenkbare Nähmaschine meiner Mutter holen kann, ist dermaßen mit Krusch und Kram vollgestellt, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass meine Mutter darauf noch oft näht.
Manchmal, wenn ich wieder gefrustet und ohne Tüten von einem Einkaufsbummel nach Hause komme, wünsche ich, ich könnte nähen und mir meine Garderobe frei von Modediktat und passend für meine Figur selbst anfertigen.

